Ihr Verbandsbürgermeister Karl Dieter WÜNSTEL
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Dr. Rudolf Seiters: Das Ehrenamt

Ein Grundpfeiler der deutschen Zivilgesellschaft

 

Der kürzlich verstorbene Alt-Bundespräsident Roman Herzog hat einmal gesagt: „Gemeinsinn, freiwilliges Engagement für andere, für die Allgemeinheit, das ist so etwas wie ein Gradmesser für die moralische Temperatur in einer Gesellschaft“. Mit anderen Worten: Die moralische Temperatur entscheidet über Wärme und Kälte im Leben und somit darüber, ob unsere Gesellschaft sich darstellt mit einem menschlichen Gesicht.

Bürgerschaftliches Engagement hat in Deutschland Tradition. … Der Wert dieses ehrenamtlichen Engagements lässt sich in Geld überhaupt nicht ausdrücken. Er ist unter finanziellen und politischen Gesichtspunkten unbezahlbar. Die Veränderungen in unserer Gesellschaft, der dramatische Umbruch im Altersaufbau der Bevölkerung, die kräftige Zunahme von Ein- und Zweipersonenhaushalten, die erheblich höhere durchschnittliche Lebenserwartung, aber auch die stark steigende Zahl der Pflegebedürftigen und Kranken ergeben einen deutlich zunehmenden Bedarf an Hilfe, Nachbarschaftshilfe, Selbsthilfe, klassischem sozialen Ehrenamt, aber auch nach gesellschaftlicher Einbindung in Vereine und Verbände, Jugendgruppen und Selbsthilfegruppen bis hin zum vorpolitischen und politischem Engagement.
 

Erfreulich ist dabei, dass es nicht nur einen steigenden Bedarf an Hilfe gibt, sondern nach wie vor auch – wie aktuelle Zahlen belegen – ein erhebliches Potential der Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung selbst. Die Anzahl der Personen, die ehrenamtlich tätig sind, belief sich in Deutschland laut einer Erhebung des Allensbach-Instituts im vergangenen Jahr auf 14,36 Millionen Menschen, und sie ist im Zuge der Flüchtlingskrise 2015/16 deutlich gestiegen – im Jahr 2014 waren es 12,96 Millionen. Deswegen kann von einer Krise des Ehrenamtes keine Rede sein, eher davon, dass auch das Ehrenamt einem Wandel unterworfen ist. Ehrenamtliche prüfen heute noch stärker als früher, ob sie die Aufgabe für wichtig und interessant halten, wie sie ihr Engagement mit Familie, Partnerschaft, Schule, Ausbildung und Beruf vereinbaren können und wie sich dieses Engagement mit privaten Interessen verbinden lässt. Viele scheuen auch davor zurück, sich langfristig an Organisationen zu binden und sind eher an kurzfristigen Projekten interessiert, in die sie sich einbringen können.

 

Ehrenamt braucht öffentliches Lob

Als Präsident des DRK halte ich es unter vielerlei Gesichtspunkten für notwendig, das ehrenamtliche Engagement stärker noch als bisher auch öffentlich anzuerkennen. Zum Beispiel dadurch, dass Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens dieses Engagement bewusst in seiner Bedeutung für das Gemeinwohl herausstellen und würdigen, dass die Kommunen den in ihrem Bereich wirkenden Ehrenamtlichen Auszeichnungen und öffentliche Belobigungen zukommen lassen, dass die Arbeitgeber ehrenamtliche Tätigkeiten ihrer Mitarbeiter ermöglichen und nicht blockieren und bei Bewerbungen ehrenamtliches Engagement berücksichtigen und dass die Medien durch verstärkte Informationen über Tätigkeitsfelder und die Aufgaben ehrenamtlicher Mitarbeiter berichten und damit Anerkennung für ehrenamtlich tätige Menschen und für das Ehrenamt insgesamt dokumentieren.
 

Auch die finanzielle Anerkennung ehrenamtlicher Tätigkeit dürfen wir nicht vernachlässigen. Freiwillige Hilfe darf nicht ein Privileg derjenigen sein, die sich das leisten können, auch wenn ich davor warne, die Erwartung zu wecken, als wäre am Ende die bezahlte ehrenamtliche Arbeit möglich.

 

Deutsche engagieren sich vorbildlich

Ein starkes ehrenamtliches Engagement ist der Grundpfeiler jeder Zivilgesellschaft. Und alles in allem kann Deutschland sehr stolz sein auf das ehrenamtliche Engagement seiner Bürger. Das hat gerade auch die Flüchtlingskrise gezeigt. Ohne die zigtausenden ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer wäre Deutschland nicht in der Lage gewesen, im Jahre 2015 fast eine Million Flüchtlinge aufzunehmen. Das gilt auch für die rund 500 Notunterkünfte mit mehr als 140.000 Menschen, die allein das Deutsche Rote Kreuz in der Hochphase der Krise betreut hat. In dieser Dimension haben wir ein solches Engagement vielleicht in der unmittelbaren Nachkriegszeit erlebt, aber bisher nicht in der neueren Geschichte der Bundesrepublik. Deshalb bin ich zuversichtlich: Aus diesem Fundus, aus diesem bürgerschaftlichen Engagement, kann die deutsche Gesellschaft auch bei künftigen Herausforderungen und in Notlagen ähnlicher Art schöpfen – etwa bei Überschwemmungen und anderen Naturkatastrophen. ...

 

Quelle: LION, offizielles Magazin von Lions Clubs International zu 100 Jahre Lions, Ausgabe März 2017

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© kdw Karl Dieter WÜNSTEL: Ab 01.01.2018 Ihr Bürgermeister der Verbandsgemeinde Jockgrim